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Porträt: Gebrüder Gerson     

 
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Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer

 

Haus Bondy (1908)

Haus Bondy (1908)
Quelle: Bestand Gerson F 43/06
Fotograf: unbekannt

Die Gebrüder Gerson

Landhäuser ...

Die Gebrüder Gerson waren in den 10er und 20er Jahren des letzten Jahrhunderts beliebte Architekten in Hamburg. Private Bauherren schätzten die Eleganz ihrer Landhäuser und Villen. Fast jeder ihrer Entwürfe geriet zu einem Unikat - die Gersons berherrschten die Klaviatur der Gestaltung ausgezeichnet. Seit 1908 entstanden zahlreiche Wohnhäuser, vorwiegend in einem refomierten Heimatschutzstil gehalten. Ähnlich wie bei den zeitgleichen Bauten Fritz Schumachers gibt es häufig Anlehnungen an barocke Formen, anders als dieser schreckten die Gebrüder Gerson aber nicht vor ungewohnten Akzenten zurück, ihr Umgang mit historischen Stilen und Bauelementen ist wesentlich freier, spielerischer.

...und Kontorhäuser

Über Hamburg hinaus bekannt wurden die Gebrüder Gerson in den zwanziger Jahren durch den Bau von Kontorhäusern: Thaliahof, Meßberghof, Sprinkenhof (mit Fritz Höger). Das Erstaunlichste dabei ist, das die drei Gebäude in ihrer äußerlichen Gestaltung völlig verschieden sind. Der Sprinkenhof fasziniert durch das Rautenmuster aus Backstein, mit dem die gesamte Außenfassade überzogen ist, der Thaliahof mit seinen dreieckigen Erkern wirkt überraschend leicht, der Meßberghof ist streng und monumental. Eine böse Ironie des Schicksals wollte es, dass sich ausgerechnet im Meßberghof während des Dritten Reiches eine Firma niederließ, die Zyklon B vertrieb - jenes Gift, mit dem hunderttausende Juden getötet wurden. Hans und Oskar Gerson waren auch jüdisch

Zuflucht USA

Hans Gerson erlebte die Diktatur der Nationalsozialisten nicht mehr, er starb bereits 1931. Er wurde nur 50 Jahre alt. Oskar Gerson blieb bis Anfang 1939 in Deutschland dann emigrierte er in die USA. In Kalifornien entwarf er noch bis 1957 Wohnhäuser für private Bauherren.
Zum Schluß noch ein Bonmot: Die Gebrüder Gerson waren überhaupt keine Architekten! Hans Gerson studierte einige Semester in München, bemühte sich aber nicht um ein Diplom. Oskar Gerson hat offenbar überhaupt keine akademische Ausbildung erhalten.

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Sprinkenhof Detail Sprinkenhof innen

Sprinkenhof außen..
Quelle: Bestand Gerson F 02/03
Fotograf: Gebr. Dransfeld

Sprinkenhof innen
Quelle: Bestand Gerson F 02/09
Fotograf: Gebr. Dransfeld

Wolfgang Voigt über die Gebrüder Gerson

"Schon die ersten Bauten fanden Beachtung weit über Hamburgs Grenzen hinaus. Von 1910 an waren Abbildungen und Beschreibungen ihrer Wohnhäuser ein gesuchter Stoff für die Fachzeitschriften. Zu internationaler Bekanntheit gelangten die Gersons in den 20er Jahren durch die Veröffentlichungen über ihre Hamburger Kontorhäuser. Ein engagierter Fürsprecher wurde der Berliner Publizist und Architekturkritiker Werner Hegemann, der zwischen 1926 und 1933 in den von ihm herausgegebenen Zeitschriften Der Städtebau und Wasmuths Monatshefte für Baukunst zahlreiche ihrer Bauten und Projekte vorstellte. Hegemann war es auch, der 1929 das bis dahin gebaute Gesamtwerk der Gersons in einer Monografie veröffentlichte, die in der anspruchsvollen Reihe Neue Werkkunst ihren angemessenen Platz fand. Der Rang der Gersons spiegelte sich auch in Ausstellungen deutscher und internationaler Architektur wider, die 1925 in New York, 1928 in London und 1930 in Budapest stattfanden; die Gersonschen Kontorhäuser waren hier stets vertreten. In Hamburg gehörten sie zum Kreis jener Architekten, die teils im Konflikt, teils in Zusammenarbeit mit Fritz Schumacher, dem mächtigen Oberbaudirektor der Hansestadt, das Stadtbild nachhaltig veränderten. Die Gersons hätten »die hamburgische Bauweise stark beeinflußt«, wußte das Hamburger Fremdenblatt 1931 zu berichten."

Aus: Wolfgang Voigt: Hans und Oskar Gerson: Hanseatische Moderne. Bauten in Hamburg und im kalifornischen Exil 1907-1957. Hamburg: Dölling und Galitz, 2000

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Thaliahof Photo Optik Campbell

Thaliahof
Quelle: Bestand Gerson F 04/01
Fotograf: Gebr. Dransfeld

Photo Optik Campbell
Quelle: Bestand Gerson F 27/01
Fotograf: Gebr. Dransfeld

Olaf Bartels über die Gebrüder Gerson

"Schon die ersten Villen, das Haus Bondy oder das wenig später in direkter Nachbarschaft entstandene Haus Zadik in der Jungmannstraße, sind aus einem sehr selbstbewußt angewendeten Formenschatz entstanden. Die Grundrisse sind frei nach den Bedingungen der Umgebung, der Lärmabschirmung — beim Haus Zadik — oder dem Grundstückszuschnitt und der sinnvollen Teilung des Gartens in einen sehr privaten rückwärtigen und einen öffentlicheren vorderen Teil — beim Haus Bondy — entwickelt. Direkt zur Straße präsentiert sich dieses Haus nur mit dem Giebel des Seitenflügels. Die Überdachung der daraus hervorgehend eher komplizierten Baukörper scheint für die Architekten eine besondere Herausforderung gewesen zu sein. Sie unterwerfen sich jedenfalls nicht dem Zwang, die Räume einer äußerlich geschlossenen, überschaubaren Form unterzuordnen, wenn sie sich nicht aus der inneren Organisation des Hauses ergibt. Die rückwärtige Ansicht des Hauses Zadik zeigt dies sehr deutlich. Trotz der ungewöhnlich gerundeten Grundrißform bleibt der Eindruck eines eigentlich konventionellen Hauses mit Walmdach. Daß die Gersons diese Bauformen beherrschen, zeigt das Haus Crasemann in der Jenischstraße, das sich, wiederum nach den Worten Werner Hegemanns, auf Wunsch der Bauherrin an einem Kavalierhaus des Schlosses in Ludwigslust orientiert."

Bartels, Olaf. Altonaer Architekten. Eine Stadtbaugeschichte in Biographien. Hamburg: Junius Verlag, 1997

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Doppelhaus Gerson

Eigenes Doppelhaus
Quelle: Bestand Gerson F 42/06. Fotograf: Gebr. Dransfeld

 

rotes QuadratBiografien


Hans Gerson

geboren am 19. März 1881 in Magdeburg
um 1887 Umzug mit den Eltern nach Hamburg
1899/1900 Studium an der Technischen Hochschule in München
1901 einjähriger, freiwilliger Militärdienst
1903/1904 Fortsetzung des Studiums in München
1904-1907 Voluntär und Angestellter bei Hart & Lesser, Architekten in Berlin
1907 Rückkehr nach Hamburg, zusammen mit Oskar Gerson Gründung eines Architekturbüros in Altona
am 14. Oktober 1931 in Hamburg gestorben

 

Oskar Gerson

geboren am 11. Juli 1886 in Magdeburg
1939 Emigration in die USA
1940/1941 Partnerschaft mit Samuel Goodman, Berkeley
1941/1942 als Kranführer tätig
1944-1957 als selbständiger Architekt in Berkeley tätig
gestorben am 25. Dezember 1966 in Berkeley

 

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Haus Coutinho Messberghof

Haus Coutinho
Quelle: Bestand Gerson F 19/01
Fotograf: Gebr. Dransfeld

Kontorhaus Meßberghof
Quelle: Bestand Gerson F 01/07
Fotograf: Gebr. Dransfeld

 

rotes QuadratWerkauswahl


  • 1908 Landhaus S. Bondy, Hamburg-Othmarschen, Jungmannstr. 3
  • 1910 Landhaus Kröncke, Wohltorf
  • 1911 Wohnhaus Köbke, Hamburg-Uhlenhorst, Feenteich 12
  • 1912 Landhaus Wesselhoeft, Hamburg-Groß Flottbek, Quellental 65
  • 1913/14 Haus Zadik, Hamburg-Othmarschen, Jungmannstr. 1
  • 1914/15 Wohnhaus für den John-Fontenay-Fideikommiß, Hamburg-Rotherbaum, Alsterufer 36
  • 1921/22 Bürogebäude Thaliahof, Hamburg-Altstadt, Alstertor 1
  • 1922 Landhaus Brüder Gerson, Groß Flottbek, Papenkamp 41/43 (nicht mehr vorhanden)
  • 1922-1924 Kontorhaus Ballinhaus (heute Meßberghof), Hamburg-Altstadt, Meßberg 1
  • 1923 Wohnblock Haynstr.2-4, Hamburg-Eppendorf
  • 1924/25 Wohnhaus Dr. Walter Magnus, Hamburg-Rotherbaum, Mollerstr. 20
  • 1924/25 Erweiterung Bankhaus M.M. Warburg & Co., Hamburg-Altstadt, Ferdinandstr. 69-75
  • 1926 Hanseatenhalle nördlich vom Stadtpark (mit Fritz Höger, nicht ausgeführt)
  • 1927 Kleinwohnungen Hamburg-Dulsberg
  • 1927/28 Kontorhaus Sprinkenhof, 1. BA (mit Fritz Höger), Hamburg-Altstadt, Burchardstr. 6-14
  • 1929 Wohnblock Otto-Speckter-Str., Hamburg-Barmbek-Nord
  • 1929 Wettbewerb Großmarkthalle am Deichtor (mit Fritz Höger, nicht ausgeführt)

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Gebäude Eduard Berlin

Gebäude für Eduard Berlin, Hamburg-Ohlsdorf
Quelle: Bestand Gerson F 15/022. Fotograf: Gebr. Dransfeld

 

rotes QuadratLiteratur zum Thema im Architekturarchiv


  • Ausrisse ZA ZA 1697 Neues Leben für eine City-Schönheit. [Sprinkenhof]. Aus: Hamburger Abendblatt Nr. 108 / 10.5.2000, S. 14
  • Ausrisse ZA 1763 Gisela Schütte: Brücken zur Architekturtradition abgebrochen. Monografie über die Brüder Gerson - Nachfahren aus Amerika geben Bilder-Nachlass an Hamburger Archiv. In: Die Welt vom 17.5.2000. Online-Dokument. Quelle: http://www.welt.de/daten/2000/05/17/
  • Bibliothek 3500 Ballin-Haus - Meßberghof. Reihe: Denkmalpflege Hamburg, Heft 14. Hrsg.: Kulturbehörde, Denkmalschutzamt. Hamburg:  Selbstverlag, 1997. 72 Seiten
  • Bibliothek 3524 Hildegard Ballerstedt / William Boehart: Herrschaftliche Zeiten. Zur Geschichte der Villenviertel in Wentorf. Hrsg.: Gemeinde Wentorf bei Hamburg. Schwarzenbek: Kurt Viebranz Verlag, 2000. 208 Seiten
  • Bibliothek 4281 Kontorbau "Thaliahof", Hamburg. In: Müller-Wulckow, Walter. Architektur der Zwanziger Jahre in Deutschland. Königstein: Robert Langewiesche, 1975,  Bauten der Arbeit und des Verkehrs, S. 88
  • Bibliothek 4281 Kontorbau Ballinhaus, Hamburg. In: Müller-Wulckow, Walter. Architektur der Zwanziger Jahre in Deutschland. Königstein: Robert Langewiesche, 1975,  Bauten der Arbeit und des Verkehrs, S. 106 und 109
  • Bibliothek 4999 Wolfgang Gerson: Architektur und Architekten in Kanada. In: Bericht über eine Studienreise für Architekten nach USA und Canada. Düsseldorf, ca. 1961
  • Bibliothek 6515 Olaf Bartels: Altonaer Architekten. Eine Stadtbaugeschichte in Biographien. Hamburg: Junius Verlag, 1997. 129 Seiten
  • Bibliothek 6538 Hamburgische Biografie. Personenlexikon, Band 2. Hrsg.: Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke. Hamburg: Christians Verlag, 2003. 478 Seiten
  • Bibliothek A 3 - 183 GENEVE 1927: CONCOURS POUR LE PALAIS DES NATIONS. Projets d'architecture pour la cite universelle. Beiträge: Mariani / Courtiau / Vago / Frank / Reichlin / Nerdinger u.a. Hrsg.: Bibliothèque de Palais des Nations. Genf: Selbstverlag, 1995
  • Bibliothek A 4 - 22 Hegemann, Werner. DIE ARCHITEKTEN BRÜDER GERSON. Reihe: Neue Werkkunst. Berlin, Leipzig, Wien: F.E. Hübsch 1928. 67 Seiten
  • Bibliothek A 4 - 80 Blumenfeld, Hans. HANS BLUMENFELD, STADTPLANER: ..ES SEI DENN, SIE BAUEN EINE HUMANE STADT. AUTOBIOGRAPHIE 1892 - 1988. Hrsg.: Roscher, Volker. Reihe: Stadt, Planung, Geschichte, Band 14. Basel/Berlin/Boston: Birkhäuser, 1993. 303 Seiten
  • Bibliothek B 2 - 219 Bartels, Olaf. Altonaer Architekten. Eine Stadtbaugeschichte in Biographien. Hamburg: Junius Verlag, 1997.
  • Bibliothek B 2 - 260 Paul Th. Hoffmann: Neues Altona 1919 - 1929.  Zehn Jahre Aufbau einer deutschen Großstadt. Band 2. Dargestellt im Auftrage des Magistrats der Stadt Altona. Jena: Eugen Diederichs Verlag, 1929. 745 Seiten
  • Bibliothek B 3 c - 14 SCHRIFTENREIHE DES HAMBURGISCHEN ARCHITEKTURARCHIVS: PROJEKTE 1996/1997. Hrsg.: Hamburgische Architektenkammer. Hamburg, 1996. 7 Blatt
  • Bibliothek B 3 c - 17 Wolfgang Voigt: Hans und Oskar Gerson: Hanseatische Moderne. Bauten in Hamburg und im kalifornischen Exil 1907-1957. Mit Beiträgen von Hartmut Frank und Ulrich Höhns. Hamburg: Dölling und Galitz, 2000. 128 Seiten
  • Bibliothek B 3 d - 192 Milieuschutzbericht. Hrsg.: Baubehörde Hamburg. Hamburg: Selbstverlag, 1985.
  • Bibliothek B 3b - 14 Ralf Lange: Alter Dampfer, neuer Dampfer. Sprinkenhof Sanierung. In: Architektur in Hamburg. Jahrbuch 2002, S. 72-73
  • Bibliothek D 1 - 57 Hoffmann, Herbert. Die neue Raumkunst in Europa und Amerika. Stuttgart: Julius Hoffmann Verlag, 1930
  • Karl Schneider KS 6.9 Denkschrift Avobau. Hamburg: o.A., o.J. Kopie. Unterlagen aus dem Karl-Schneider-Archiv der HfbK
  • Manfred Sack S 7 - 9 Schreiben Manfred F. Fischer an Heinrich Bauer Verlag. Betrifft: Bauensemble Kontorhausviertel. Gutachten des Denkmalschutzamtes. Datum: 28.7.1976. Unterschrift: Fischer. 3 Seiten
  • Zeitschriften BIB 2D (Einzelhefte 10) Jana Lange / Broder-Jürgen Trede: Studieren im Kaufmannshaus. In: SportRevolver Nr. 14, Oktober 2003, S. 86-93
  • Zeitschriften BIB 2D (Einzelhefte 3) Jürgen Timm: Die Architekten hans und Oskar Gerson. In: Unser Blatt, Nr. 10/ Oktober 1992, S. 4-5
  • Zeitschriften BIB 2D (Einzelhefte 3) Jürgen Timm: Mit Hellmut Gerson und seiner Familie auf den architektonischen Spuren seines Vaters und Onkels. In: Unser Blatt, Nr. 9/ September 1993, S. 4-5
  • Zeitschriften BIB 4EF Olaf Bartels: Hamburgisches Architekturarchiv bekommt Gerson-Nachlass. In: Bauwelt Nr. 21/2000, S. 6

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rotes QuadratBestände zum Thema im Architekturarchiv


Grünes DreieckBestand  Gerson

Fotos, einige Pläne (insbesondere Projekte USA)

Grünes DreieckBestand Neue Heimat

Bildarchiv. Unterlagen Siedlung Dulsberg, Wohnhäuser  Otto-Speckter-Str., Barmbek-Nord, Wohnblöcke Veddel

Grünes DreieckBestand Rheinländer

Fotos / Negative: Meßberghof und Sprinkenhof

 

 

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