Das Archiv 
Personen 
Themen 
Links 
Impressum 
Suchen 

Logo / Home   

Thema: Hamburg, Stadtgeschichte    

 
kein Bild - nur PseudoE-Mail an das Architekturarchiv

Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer

 
Die Mönckebergstraße in den 30er Jahren

Die Mönckebergstraße in den 30er Jahren
Fotograf: Hans Breuer Foto-Werkstätten (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

Daten

Einwohner: 1,79 Millionen
Fläche: 755 km²
Status: Bundesland
Wichtige Betriebe: Airbus (EADS), Beiersdorf, Siemens, Unilever, Holsten Brauerei, Hauni, Otto-Versand, Gruner & Jahr, Springer-Verlag, Bauer Media Group, Still (Gabelstapler), NDR, Lufthansa/Technik etc.
Hochschulen: Universität Hamburg, Technische Universität Harburg, Hochschule für bildende Künste, Hochschule für Musik und Theater, Hochschule für angewandte Wissenschaften
Museen: Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, Museum für Kunst und Gewerbe, Museum der Arbeit, Museum für Völkerkunde, Altonaer Museum, Barlach-Haus, Museum der Vierlande, Helms-Museum, Museum für Hamburgische Geschichte, Museum für Kommunikation, Museumsdorf Volksdorf etc.

nach oben
Hamburg im Jahre 1644

Hamburg 1644
Quelle: Hartwig Fiege: Hamburg - Ein Heimatbuch, 2. Auflage (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

Geschichte Hamburgs

Die Anfänge

Die Stadt Hamburg hat ihren Namen von der legendären Hammaburg aus dem 9. Jahrhundert. Lange Zeit meinte man, Überreste der Hammaburg auf dem sogenannten Domplatz (Speersort / Domstraße) gefunden zu haben. Neueste Bewertungen der archäologischen Grabungen ergaben aber keinen Hinweis auf eine Burg aus dieser Zeit. Stattdessen fand man - neben Spuren neolithischer Siedlungen - eine Doppelkreisanlage von 65 Meter Durchmesser, deren Datierung noch nicht abgeschlossen ist. 14-C-Proben legen einen Zeitraum zwischen 600 und 700 n. Chr. nahe.

Ergiebiger als die Grabungen sind schriftliche Dokumente zur Geschichte Hamburgs. Sie ergeben folgendes Bild:
Ende des 8.Jahrhunderts dehnte der fränkische Kaiser Karl der Große sein Reich bis an die Elbe aus. Die sächsischen Stämme wurden besiegt und christianisiert. 808 besiegten die Dänen Verbündete des Kaisers, daraufhin ließ Karl der Große Gebiete nördlich der Elbe besetzen und verschob die Grenze seines Reiches bis an die Eider-Trave-Linie. Das künftige Hamburg lag damit auf fränkischen Gebiet.

831/832 wurde "Hammaburg" zum Sitz eines Bistums. Amtsinhaber wurde Erzbischof Ansgar. Seine Kirche war aus Holz gebaut, erst unter Erzbischof Bezelin (ab 1032) erhielt Hamburg eine steinere Kirche, den Dom. 845 wurde Hamburg von den Wikingern überfallen, Erzbischof Ansgar floh. 847 wurde Ansgar das Bistum Bremen zugeteilt. Sein neues Bistum wurde mit dem von Hamburg vereinigt - mit Sitz in Bremen. Hamburg hatte den Bistumssitz verloren und existierte nur noch als eine Handelssiedlung - eine sogenannte "Wik" - weiter.

nach oben
Hamburg im Jahre 1677

Hamburg 1677
Quelle: Hartwig Fiege: Hamburg - Ein Heimatbuch, 2. Auflage (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

Überfälle und zwei Hamburg

In den folgenden Jahrhunderten wurde Hamburg oft zerstört. In den Jahren 983, 1066 und 1072 überfielen die Wenden den Ort. Insgesamt erlebte Hamburg bis 1139 neun Zerstörungen, wurde aber immer wieder aufgebaut. Im Mittelalter wuchs Hamburg nur langsam, um 1200 wohnten hier vielleicht 600 bis 800 Menschen. Die Gebäude konzentrierten sich an der linken Seite der Alster. Hamburg war also zunächst eher eine Alster- als eine Elbstadt, wenngleich die Elbe nicht weit entfernt lag. Die ältesten Schiffsanleger und Uferbefestigungen Hamburgs wurden im Gebiet Dornbusch, / Alter Fischmarkt gefunden. Ihre Geschichte reicht bis ins frühe 9. Jahrhundert zurück. Das Fundgebiet lag früher an einem nördlichen Arm der Bille, die hier später zum Reichenstraßenfleet kanalisiert und schließlich zugeschüttet wurde. Hamburg war also am Anfang seiner Geschichte auch eine Billestadt.

Seit 1111 stand Hamburg unter der Herrschaft der Schauenburger Grafen. Im Jahre 1188 bat Wirad von Boizenburg den Grafen Adolf III. um die Erlaubnis, neben dem alten Ort eine Kaufmannssiedlung zu errichten. So entstand ein zweites "Hamburg" an der rechten Seite der Alster. Zur Alstermündung hin, etwa beim heutigen Nikolaifleet, wurde ein Hafen angelegt, beim heutigen Hopfenmarkt wurde ein Marktplatz eingerichtet.

Privilegien und Dänen

Die Kaufleute im Bündnis mit dem Grafen gaben der Stadtentwicklung neue Impulse. Am 7. Mai 1189 stellte Kaiser Friedrich Barbarossa auf ihre Bitte hin einen Freibrief aus, der besagte, dass Hamburger Schiffe freie Fahrt auf der Elbe haben. Das Datum ist bis heute Anlass für die alljährliche Hafengeburtstagfeier. Der Haken dabei ist: Der Freibrief war eine Fälschung. Gefälschte Dokumente waren im Mittelalter durchaus üblich, es kam mehr darauf an, dass Ansprüche anerkannt wurden.
Von 1201 bis 1225 herrschten die Dänen in Hamburg. Unter ihrer Herrschaft wurden die beiden Siedlungen zu einem Hamburg vereinigt. 1227 wurden die Dänen besiegt. Nach Ende des Krieges wuchs Hamburg kräftig. Die Inseln Cremon und Grimm wurden erschlossen.

nach oben
Die Börse in Hamburg

Börse am Adolphsplatz - Kupferstich von Jan Dircksen 1606
  (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

Der Alstersee

Hamburgs einmaliges Stadtbild ist geprägt vom Wasser. Man denkt dabei sofort an Elbe und Alster. Aber als Hamburg im 9. Jahrhundert gegründet wurde, war die Alster noch ein gewöhnlicher Fluss, der sich in einem kleinen Delta in die Elbe ergoss. Das änderte sich im Jahre 1235. Damals wurde ein Damm quer durch die Alster angelegt und eine Kornmühle gebaut. Dieser Damm ist heute eine der bekanntesten Straßen der Stadt: Der Jungfernstieg.

Hanse- und Braustadt

Hamburg findet seine eigentliche Aufgabe als Handelsstadt. 1321 tritt Hamburg der Hanse bei. Begünstigt durch die Lage an der Elbe wird Hamburg im 14. Jahrhundert zu deren wichtigsten Umschlagsplatz. Gleichzeitig blüht ein neues Gewerbe auf: Das Brauereiwesen. Im 15. Jahrhundert gab es in Hamburg 450 Brauereien. 1558 wird in Hamburg die erste deutschen Börse gegründet. 1618 wird Hamburg Reichsstadt.

Barocke Blüte

"Wer in der Musik Außerordentliches hören will, komme nach Hamburg" hieß es einstmals. Begründet wurde dieser Ruf durch die Kirchenmusik. Seit dem 15. Jahrhundert wirkten in Hamburg bedeutende Orgelbauer. Seinen Höhepunkt erreichte der Orgelbau mit Arp Schnitger (1648-1719), der u.a. die Orgel in der Jakobikirche schuf. Eine weitere Schnitger-Orgel steht in Neuenfelde, in der Einflugschneise der EADS-Airbuswerke.
Begehrt war der Posten des Kirchenmusikmeisters. 1721 übernahm Georg Philipp Telemann das Amt, Nachfolger im Jahre 1768 wurde Carl Philipp Emmanuel Bach.

Nicht weit entfernt von der heutigen Staatsoper öffnete am 2. Januar 1678 die Oper am Gänsemarkt ihre Tore. Das Opernhaus war das erste bürgerliche in Deutschland und sollte bevorzugt deutsche Werke zur Aufführung bringen. Die Existenz dieser ersten Hamburger Oper währte allerdings nur 60 Jahre. Auch Telemann, der die Leitung 1722 übernahm, konnte das Ende im Jahre 1738 nicht verhindern. 1765 wurde das Gebäude abgerissen, an seiner Stelle wurde das Comödienhaus errichtet. 1767 etablierte sich hier das erste deutsche Nationaltheater. Zu den Mitwirkenden gehörte Gotthold Ephraim Lessing, der hier seine "Hamburger Dramaturgie" schrieb. 1771 übernahm Friedrich Ludwig Schröder das Theater und machte es zu einer der führenden Bühnen Deutschlands.

nach oben
Das Geburtshaus von Johannes Brahms Badeanstalt am Schweinemarkt

Geburtshaus von Johannes Brahms in der Speckstraße
Quelle: Paul Bröcker: Was uns das Gängeviertel erzählt. Originalzeichnungen: Ferdinand Sckopp. Hamburg 1910.

Badeanstalt am Schweinemarkt
Quelle: Hamburg und seine Bauten 1890, S. 222

Festungsring und Binnenalster

Im 17. Jahrhundert - von 1616 bis 1625 - erhielt Hamburg einen neuen Festungsring. Eine gewaltige Bauaufgabe, die jahrelang ein Viertel aller Einnahmen der Stadt verschlang. Die neue Festungsanlage lockerte den Gürtel um die Stadt, ihr Gebiet verdoppelte sich und umfasste die heutigen Stadtteile Altstadt und Neustadt. Die Investion in den Verteidungsring rentierte sich schnell: Hamburg blieb vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) weitgehend verschont. Die Spuren der Festungsanlage sind noch heute im Stadtbild ablesbar, besonders deutlich an den Wallanlagen. Zur neuen Festungsanlage gehörte auch ein Damm, den man zwischen zwei Bastionen durch die Alster zog. Seitdem ist der Alstersee auf der Höhe Lombardsbrücke in Binnen- und Außenalster geteilt.

Der Große Brand

In der Nacht vom 4. zum 5. Mai 1842 bricht in Hamburg der Große Brand aus. Große Teile der Innenstadt fallen den Flammen zum Opfer, 20.000 Menschen verlieren ihre Wohnung. Die Börse übersteht das Feuer, doch das Rathaus wird geopfert. In der Hoffnung, das Feuer damit aufzuhalten, entschließt sich der Senat, die eigene "Arbeitsstätte" zu sprengen. Der Neuaufbau der Innenstadt unter Führung von Alexis de Chateauneuf gliedert die City neu. Als Prunkstück entstehen die Alsterarkaden und der heutige Rahthausmarkt. Der Bau des neuen Rathauses allerdings verzögert sich um ein halbes Jahrhundert. Mit dem Neuaufbau wird auch der britische Ingenieur William Lindley engagiert, er entwirft für Hamburg ein modernes Kanalisationssystem..

nach oben
Die Alsterarkaden

Die Alsterarkaden (1844-1846) von Alexis de Chateauneuf
Foto: Gesa Thiem (Privatbesitz Karl Heinz Hoffmann)

Industrialisierung

Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts: Industrialisierung und dramatisches Bevölkerungswachstum. Hamburg ist nun auch eine Industriestadt. Der Freihafen wird eingerichtet, Hamburg hat bis heute den wichtigsten Seehafen Deutschlands. Große Werften entstehen. Mit der Industrialisierung wird Hamburg auch zu einem wichtigen Pfeiler der deutschen Arbeiterbewegung. Die Arbeiter wohnen vorwiegend in den Gängevierteln, eng bebauten Quartieren aus Fachwerkhäusern, die durch Gänge erschlossen waren. Ein letztes Beispiel kann man heute im Bäckerbreitergang sehen. Die Wohnverhältnisse in den Gängevierteln waren Sozialreformern ein Dorn im Auge, für die Arbeiter boten sie aber zwei Vorteile: Die Wohnungen waren billig und die Arbeitsplätze - vorallem der Hafen - lagen nicht weit entfernt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein großes Gängeviertel der Stadtentwicklung geopfert: für den neuen Freihafen wird die Speicherstadt auf einem Wohngebiet errichtet. Die vertriebenen Arbeiter mussten selber sehen, wo sie unterkamen.

Schlitzhäuser

Ende des 19. Jahrhunderts durchbrach Hamburg endgültig die alten Stadtgrenzen, ehemalige Dörfer wurden zu Wohnvierteln, etwa in Eimsbüttel und Eppendorf. Ein typischer Haustyp der "Gründerzeit" in diesen neuen Stadtteilen waren die Schlitzhäuser. Ihr eigenartiger Grundriss mit den Schlitzen war das Resultat entgegengesetzer Bestrebungen: Die Baupolizei versuchte durch Vorschriften ein Mindestmaß an Tageslicht für die Wohnungen zu erzwingen, die Bauherren wollten die Grundstücke bis zum letzten Quadratmeter ausnutzen. In den Vorderhäusern dieser Gebäude - besonders in der "Belle Etage" wohnten Angestellte und Bürgertum, Arbeiter wurden auf die Hinterhäuser verwiesen.

nach oben
Grundriss eines Schlitzhauses Chilehaus

Grundriss eines Schlitzhauses
Quelle: Rolf Spörhase: Bau-Verein zu Hamburg Aktiengesellschaft, Hamburg 1940, S. 156

Chilehaus (1922-1924) von Fritz Höger
Foto: Karl Heinz Hoffmann (Privatbesitz)

Schumachers Epoche

In den 20er Jahren entstehen viele neue Wohngebiete (z.B. Jarrestadt, Dulsberg). Oberbaudirektor Fritz Schumacher nimmt die städtebauliche Planung der Gebiete in seine Hände und verleiht ihnen einen gleichartigen Charakter, geprägt durch Backsteinfassaden. Eine "weiße Moderne" findet so in Hamburg kaum statt, man findet sie nur in Einzelbauten. Bedeutenster Vertreter dieser Moderne in Hamburg wird Karl Schneider. Gut vertreten sind in Hamburg Bauten des Expressionismus. Allen voran natürlich das Chilehaus von Fritz Höger. Aber auch Esselmann und Gerntke, Friedrich R. Ostermeyer, Grell und Pruter u.a. schufen bedeutende Bauten in dieser kurzlebigen Stilrichtung.

Drittes Reich

Seit den ersten freien Wahlen 1918 wird Hamburg praktisch immer von der SPD (mit)regiert. Das Dritte Reich unterbricht diese Linie. Unter den Nationalsozialisten wird das Groß-Hamburg-Gesetz in Kraft gesetzt (1937). Damit werden drei Städte (Altona, Harburg-Wilhelmsburg und Wandsbek) und etliche Gemeinden in die Stadt eingegliedert. Wie in anderen Großstädten soll auch Hamburg im Dritten Reich neu gestaltet werden. Die wichtigsten Planungen unter Führung von Konstanty Gutschow sehen eine Neugestaltung des Elbufers zwischen der Innenstadt und Altona vor. Nichts davon wurde realisiert. 1943 erlebt Hamburg den modernen Bombenkrieg in voller Brutalität. Die halbe Stadt wird zur Ruinenlandschaft.

nach oben
Die Finanzdeputation von Fritz Schumacher am Gänsemarkt Modell Elbufergestaltung - Gauhochhaus

Die Finanzdeputation von Fritz Schumacher am Gänsemarkt
Quelle: Hamburg und seine Bauten 1918-1929, S. 214

Modell Elbufergestaltung (1937/38)
Quelle: Bestand zu Putlitz M 022/3

Hamburger Wirtschaftswunder

Nach 1945 bleibt Hamburg weiterhin eine Handels- und Industriestadt. Schwerpunkte sind Werften (Deutsche Werft, Blohm und Voss etc.), Ölraffinerien (BP, Shell u.a.), Lebensmittelindustrie (Unilever, Voss etc.), Tabakindustrie (Reemtsma, BAT u.a.), Kosmetik (Beiersdorf, Elida, Schwarzkopf u.a.). Außerdem entwickelt sich Hamburg zu einer Medienstadt. Wichtige Verlagshäuser lassen sich in Hamburg nieder, etwa Gruner & Jahr ("Stern"), Der Spiegel, Axel-Springer-Verlag ("Bild", "Hör Zu") Heinrich Bauer-Verlag ("Bravo"). Hamburg wird zum Hauptsitz des NDR, erhält mit dem Studio Hamburg eine wichtige Filmproduktionsstätte, wird Sitz der Schallplattenindustrie und beherbergt eine Reihe alter und neuer Buchverlage (Hoffmann und Campe, Christians etc.). Die Wirtschaft boomt, Hamburg wird zur reichsten Region Europas (inzwischen auf den 4. Platz verdrängt) und zum Bundesland mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt.

Die aufgelockerte Stadt

Unter dem Oberbaudirektor Werner Hebebrand soll Hamburg in den 50er und 60er Jahren zu einer modernen gegliederten und aufgelockerten Stadt werden. Alte Quartiere werden abgerissen, die Ost-West-Straße durch die Innenstadt geschlagen, neue Wohngebiete entstehen auf der grünen Wiese und die Bürostadt City Nord wird errichtet. Ein Gebiet mit fast reiner Monostruktur (ein paar Wohnungen gibt es dort auch). Die Verwaltungsgebäude wurden durchweg von namenhaften Architekten entworfen, allen voran Arne Jacobsen, dem die HEW das wohl schönste Gebäude der Nachkriegsmoderne in Hamburg zu verdanken haben.

Typisch für die 50er Jahre sind außerdem die Gartenstädte. Eine der schönsten wurde 1953 in Bramfeld errichtet: die Gartenstadt Hohnerkamp. Der Architekt Hans Bernhard Reichow, ein Anhänger des Organischen Städtebaus, brachte es fertig, sämtliche Straßen kreuzungsfrei anzulegen, die Häuser gestaltete er im Nierentischstil.

nach oben
Stapellauf bei der Deutschen Werft Gartenstadt Hohnerkamp

Stapellauf bei der Deutschen Werft, Finkenwerder, 50er Jahre
Aus: Hartwig Fiege: Hamburg - Ein Heimatbuch, 2. Auflage)

Die Gartenstadt Hohnerkamp (1953/54)
Architekt: Hans Bernhard Reichow
Quelle: Neue Heimat FWB 121

Großsiedlungen und Sanierung

Die 60er Jahre haben in der Architekturgeschichte einen besonders schlechten Ruf. Schuld daran sind vor allem Großsiedlungen. Große Wohnsiedlungen wurden zwar auch vorher und nachher gebaut, aber in den 60er und 70er Jahren verbindet sich die Monostruktur mit der angeblich kostengünstigen aber ästhetisch brutalen Plattenbauweise. Diese Art Siedlungen findet man überall in Deutschland, in Hamburg tragen sie die Namen Osdorfer Born, Mümmelmannsberg und Steilshoop.
In den 70er Jahren konnte man einen Paradigmenwechsel im Städtebau erleben. Die Vorzüge alter Stadtstrukturen wurden betont, die Seelenlosigkeit von Neubaugebieten beklagt. Junge Menschen entdeckten alte Stadtviertel, in denen die Mieten bezahlbar und das Leben noch urban war. Als Beispiele seien das Schanzenviertel und das Karolinenviertel genannt. Urbanität wurde auch zum Leitbild in der Stadtplanung, realisiert werden sollte sie durch Sanierung. Erste Maßnahmen wurden seit Mitte der 70er Jahre in Ottensen durchgeführt.

Krise und Perlenkette

Seit den 80er Jahren erfährt Hamburg eine enorme Umstrukturierung seiner Wirtschaft. Den Anfang machte die Werftenkrise. Ganze Großwerften werden aufgegeben (Deutsche Werft), andere drastisch rationalisiert (Blohm und Voss). Gleichzeitig verändert sich der Hafen, die Container erobern unaufhaltsam das Terrain, die Schiffe werden immer größer. Die Bedeutung des Hafens bleibt, aber die Beschäftigtenzahl reduziert sich auf ein Zehntel. Und der Hafen verlagert sich Richtung Westen. In Waltershof und demnächst Altenwerder werden moderne Terminals angelegt. Auch andere Bereiche der Hamburger Wirtschaft unterliegen der Umstrukturierung. Viele Industriebetriebe geben ihren alten Standort auf oder lösen sich ganz auf. Es entstehen große Industriebrachen (z.B.Harburger Binnenhafen). Andere alte Industriegebiete werden geschleift (Bahrenfeld) und fast überall in der Stadt werden Fabrikgebäude umgenutzt (Zeisehallen, Kampnagel, Phoenixhof etc.). Hamburg ist am Ende des Jahrtausends zur Handels- und Dienstleistungsstadt geworden.

Egbert Kossak übernimmt 1981 das Amt des Oberbaudirektors. Seine Aufmerksamkeit gilt besonders dem nördlichen Hafenrand. Hier soll eine "Perlenkette" entstehen, einzelne neue oder umgebaute Gebäude, die das hervorragend gelegene aber zum großen Teil brachliegende Gebiet neu beleben. Den Anfang machte das futuristische Pressehaus von Gruner & Jahr (Architekten: Steidle / Kiessler). Es folgen u.a. Fährterminal (me di um) oder Lofthaus Elbberg (Bothe - Richter - Teherani). Viele alte Gebäude werden umgenutzt, so entstehen u.a. Stilwerk und die Greenpeace-Zentrale.

nach oben
Entwurf Innenstadtwettbewerb von Burmester

Hamburg als aufgelockerte und gegliederte Stadt
Ideenwettbewerb Innenstadt Hamburg 1948
Entwurf von Gustav Burmester
Quelle: Hamburgische Architektenkammer

Hamburger Stil

Kossak propagiert ähnlich wie sein Vorbild Fritz Schumacher zunächst den Klinker als ideales Baumaterial. Überall in der Stadt werden Gebäude im "Hamburger Stil" gebaut. Er zeichnet sich durch eine konservative Haltung aus, knüpft an die Moderne der 20er und 50er Jahre an, zitiert vorsichtig die Postmoderne und verwendet vor allem roten Klinker als Fassadenmaterial. Ein Musterbeispiel des "Hamburger Stils" ist die Fleetinsel (Architekten: von Gerkan, Marg und Partner, Winking, Kleffel und Köhnholdt, Markovic - Ronai - Lütjen u.a.).

In den 90er Jahren wird die Vorherrschaft der Hamburger Schule - wie man den Stil auch nannte - gebrochen. Viel Beachtung findet das Autohaus "Car and Driver" von Hadi Teherani und Wolfgang Raderschall. Es wurde 1990/91 am Friedrich-Ebert-Damm in Wandsbek erbaut und verkörpert mit filigraner Glasarchitektur und weißen Außenwänden die Antithese zum Backsteinstil. Teherani wird bald darauf Mitgründer eines Architekturbüros in Hamburg, dass die 90er Jahr entscheidend mitprägt: Bothe - Richter - Teherani.

nach oben
Waschbeton-Fassaden Mümmelmannsberg Die Neue Flora

Horror der 70er Jahre: Plattenbau mit Waschbeton-Fassaden, Mümmelmannsberg
Quelle: Neue Heimat FH 1.02.014.1

"Hamburger Schule": Die Neue Flora von
Kleffel, Köhnholdt, Gundermann
Foto: Karl Heinz Hoffmann

Fehler verpflichten

Trotz des Sinneswandels im Städtebau entstanden auch in den 80er Jahren weiterhin monostrukturale Neubaugebiete in Hamburg, deren Planung allerdings in die 70er Jahre zurückreichte. In Hammerbrook entstand die City Süd. Im Unterschied zur City Nord.wurde diese Bürostadt nicht als großzügig angelegte Gartenstadt konzipiert, sondern als dicht bebautes Viertel, aber hier wie dort wohnt kaum ein Mensch und ein Nachtleben in Gaststätten findet nicht statt.

Ähnlich einseitig mit umgekehrten Vorzeichen geriet der neue Stadtteil Billwerder-Allermöhe. Unter diesen Namen oder auch unter der Bezeichnung Neu-Allermöhe entstand im Hamburger Osten - kurz vor Bergedorf - eine Wohnstadt, deren Konzeption weit entfernt ist vom Ideal der "Rekonstruktion (oder auch Imitation) der Stadt". In anderer Hinsicht kann man Allermöhe aber als Vorbild sehen: Hier wurde konsequent das Bauen am Wasser realisiert, größtenteils durch neu geschaffene Fleete. Neu Allermöhe Ost (erbaut 1984-1994) ist niedrig bebaut (GFZ 0,6), Reihenhäuser überwiegen, im westlichen Teil (seit 1993) findet man hingegen vor allem Geschosswohnungsbau.

1999 trat Jörn Walter das Amt des Oberbaudirektors an. Er wurde gleich mit einer großen und reizvollen Aufgabe konfrontiert: Der Planung der Hafen-City. Das ist ein etwa 150 ha großes Areal, davon 100 ha Landfläche, dass zwischen Elbe und Hamburger Innenstadt liegt. Ein idealer Ort, um städtebauliche Träume zu realisieren. Die HafenCity wird allmählich Wirklichkeit und es zeichnet sich ab, dass es im neuen Stadtteil tatsächlich ein Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur geben wird.

nach oben
HafenCity, Sandtorhafen, Sandtorkai

Wieder wird eine strahlende Zukunft prophezeit: HafenCity: Promenade am Sandtorkai
Illustration: Schiebel, Hafen City Hamburg GmbH
Senat Hamburg 2003

Verwendete Quellen

  • Hamburg Altstadt. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 41, Stuttgart: Theiss, 2002
  • Eckart Klessmann: Geschichte der Stadt Hamburg, Hamburg: Die Hanse, 2002
  • Europäische Kampagne für Stadterneuerung. Beispielstadt Hamburg. 1. historische Entwicklung der Stadt und Einordnung der Stadterneuerung in die gesamtstädtische Entwicklung. / Stadterneuerung in Hamburg. Datum: 26.3.1981. Typoskript. 14 Blatt
  • Heinrich Reincke: Hamburg - ein Abriß der Stadtgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bremen: Friesen-Verlag, 1926
  • Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. DuMont Kunstreiseführer. Köln: DuMont 1989
  • Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Stuttgart: Edition Axel Menges, 1995
  • Hans Harms / Dirk Schubert: Wohnen in Hamburg. Hamburg: Christians 1989
nach oben

 

rotes QuadratBestände zum Thema im Architekturarchiv


Praktisch hat jeder Bestand im Architekturarchiv mit dem Thema "Hamburg" zu tun, deswegen kann es an dieser Stelle nur darum gehen, auf einige besondere Sammlungen aufmerksam zu machen.

Grünes DreieckBibliothek

Unter den fast 7000 Titeln der Hauptbibliothek sind einige Hundert mit Hamburger Themen

Grünes DreieckBauten in Hamburg

Fotos, Dias, schriftliche Unterlagen. Ausstellung Hafenrand

Grünes DreieckBestand Baur

Fotoarchiv: viele Gebäude in Hamburg

Grünes DreieckBestand Rheinländer

Fotoarchiv: viele Gebäude in Hamburg

Grünes DreieckStadtpark Hamburg

Materialsammlung von Hedwig Heggemann (noch nicht archiviert)

Grünes DreieckLandschaftsplanungsamt

Broschüren, Pläne (wird noch ergänzt)

Grünes DreieckBestand Schramm

Mit interessanter Kartensammlung

Grünes DreieckBestand Karten

Vorwiegend Grundkarten sowie anderes Kartenmaterial, vorwiegend aus den 30er  sowie 70er und 80er Jahren

 

 
nach oben

Informationen über das ArchitekturarchivBiografien und PorträtsThemenLinks zu anderen SeitenStichworte zu dieser WebsiteImpressumStartseite

Webmaster