Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer |
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"Epilog: Aus für das Bremer Haus? Man sollte meinen, daß die Betonung von »Heimat«, »Blut« und »Boden« während des Dritten Reiches gute Bedingungen boten, um die mit dem Bremer Haus verbundene Wohntradition weiterzupflegen und zu festigen. Tatsächlich gab es eine umgekehrte Entwicklung. Im bremischen Wohnhausbau der dreißiger Jahre dominierte zum ersten Mal nicht mehr das Reihenhaus. Die Normierung und Typisierung des Wohnungsbaus und die zentrale Lenkung durch das Reich, von dessen Förderung der Wohnungsbau nun sehr viel stärker abhängig war als während der Weimarer Republik, vertrugen sich schlecht mit der Pflege lokaler Besonderheiten. Die einst dominierenden Bauunternehmer, seit Generationen die traditionellen Produzenten des Bremer Haustyps, bauten 1938 weniger als 40 Prozent aller Wohnungen. Der Arbeiterwohnungsbau war auf ausgewählte Genossenschaften wie die Gewoba und die Bremische Bau- und Siedlungsgesellschaft übergegangen, die sich zunächst auf die besonders geförderte ländliche Kleinsiedlung für Erwerbslose und »Stammarbeiter« konzentrierten, um später immer mehr Volkswohnungen in zwei- bis dreigeschossigen Mietshäusern zu bauen, wie sie vom zentralen Reichsheimstättenamt der Deutschen Arbeitsfront propagiert wurden. Wohin die Entwicklung ging, zeigten die in Berlin entwickelten "Reichsbauformen" und "Erprobungstypen", die 1940/41 als Vorgeschmack auf einen durchrationalisierten Wohnungsbau in der siegreichen Nachkriegszeit publiziert wurden: Geschoßwohnungen mit festgelegten Grundrissen, einheitlichen Konstruktionen für Wände, Decken und Dächer, mit genormten Geschoßhöhen, Wandstärken und Installationen und hergestellt auf einer mechanisierten Baustelle, "mit dem Ziel, die Handarbeit soweit wie möglich auszuschalten". Das Ende des Bremer Reihenhauses als Regelbautyp war somit vorgezeichnet, noch ehe der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hatte. Das historische »Aus« kam dann mit der Entscheidung für die Neugestaltung der 1943 zerbombten westlichen Vorstadt. Um die Frage, was mit den 4515 zerstörten Reihenhausparzellen des Bremer Westens geschehen sollte, gab es zwischen 1950 und 1953 einen erbitterten Streit, der die traditionellen Fronten für und wider das Bremer Haus ein letztes Mal mobilisierte.3 Die Mehrzahl der betroffenen Kleineigentümer kämpfte mit Unterstützung der rechten Parteien in der Bürgerschaft für die Erhaltung ihrer Parzellen. Der sofort zu vollziehende Aufbau sollte mit dem Ziel, die alte Struktur mit modernisierten Reihenhaustypen wiederherzustellen, von straßenweise organisierten Selbsthilfe-Gemeinschaften getragen werden. Auf der Seite der nach 1945 in Bremen regierenden SPD war das Trauma der Hausbesitzerpartei, die die Sozialdemokraten in den zwanziger Jahren am Regieren gehindert hatte, im ersten Nachkriegsjahr-zehnt immer noch lebendig. So darf man davon ausgehen, daß es nicht nur städtebauliche Vorstellungen waren, die dazu führten, daß hier mehr als anderswo große Siedlungseinheiten und vielgeschossige Mietshäuser entstanden. Diese Baupolitik hatte einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: Der Wähleranteil der Hausbesitzer in Bremen ging stetig zugunsten der Mieter zurück. Im Bremer Westen sahen SPD und Gewerkschaften gemeinsam mit der erstmals »modern« eingestellten, mit neuem Personal versehenen bremischen Bauverwaltung die Chance einer umfassenden Neugestaltung der Zerstörungsgebiete im Sinne des Leitbildes der »gegliederten« und »aufgelockerten« Stadt. Wie die auszusehen hatte, demonstrierten Senat und Gewoba in den Jahren 1953 bis 1955 auf 1400 enteigneten Kleinparzellen zwischen Hansastraße und Hans-Böckler-Straße: weiträumige Bebauung, zwei- bis dreigeschossige Mietshauszeilen, siebengeschossige Wohnhochhäuser und ein Turm mit 14 Stockwerken als »Dominante« im durchlaufenden Grünzug. Für die 10 000 Wohnungen der »Neuen Vahr« und die anderen Großsiedlungen Bremens (Gartenstadt Vahr, Südervorstadt, Huchting, Marsseier Feld), die in den fünfziger und sechziger Jahren folgten, blieb dies das beherrschende Schema. Das vielgeschossige Mietshaus war zur Regel geworden." |
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| © Karl Heinz Hoffmann Hamburgisches Architekturarchiv |