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Schriftenreihe: Leseprobe 8     

 
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Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer

 
Titelseite

Hartmut Frank (Hrsg.): Fritz Schumacher. Reformkultur und Moderne. Ausstellungskatalog. Stuttgart: Verlag Gerd Hatje, 1994. 312 Seiten

Maike Bruhns

Fritz Schumachers Leben und Werk nach 1933

"Fritz Schumacher wurde mit 63 Jahren aus dem Amt entlassen. Er erhielt am 3. Mai 1933 eine unkommentierte Mitteilung: „Der Senat beschließt den Übertritt des Oberbaudirektors Professor Dr. Ing. e.h. Dr. h.c. Dr. h.c. Fritz Schuma­cher in den Ruhestand.“ Schumachers Sturz wurde mitverursacht durch eine Eingabe des Architekten Konstanty Gutschow, der forderte, die auf „eine bestimmte Konstellation bestimmter Persönlichkeiten“ zugeschnittene Gliede­rung des Bauwesens umzugestalten, vor allem die Hochbaudirektion zu entmach­ten zugunsten der „eigentlichen Aufgabe der Baubehörde“, des Städtebaus. Schumacher räumte das Feld nicht kampflos, sondern wies die Anschuldigungen einzeln entschieden zurück und warnte auch vor Konsequenzen der Gutschowschen Vorschläge. Ändern konnte er nichts mehr. Bei der Entlassungsfeier am 5. Mai 1933 verabschiedete er sich herzlich von den Mitarbeitern und demon­strierte öffentlich Konsens mit dem neuen Staat: „Man wird es später einmal erkennen, daß der Weg, den ich Sie geführt habe, in meinem Beruf kein anderer ist, als der Weg, den das neue Deutschland einzuschlagen willens ist... Soweit unser Beruf dabei in Betracht kommt, liegt und lag unser Ziel in der Richtung, in der das deutsche Volk heute marschiert.“ Er hatte seinen Nachfolger, Stadtbaurat Karl Koester aus Harburg, persönlich durchgesetzt: „Das ist für mich die Hauptsache, denn die schlimmsten Kandidaten preschten von allen Seiten heran.“ Mit einer letzten noblen Geste stellte er einen Teil seines Ruhegehalts jungen notleidenden Architekten zur Verfügung. Ein Schreiben an Staatsrat Rautenberg wegen Auslieferung seiner persönlichen Besitztümer in den Dienst­räumen schließt diesen Lebensabschnitt.

Gegenüber seinem Bruder Hermann gab sich Schumacher in seinen Äußerungen offener, ein Brief vom 3. Mai 1933 ergänzt die Lücken und beleuchtet das Kesseltreiben: „Der Beschluß ist ohne ein Wort des Anstands gefaßt... Wie man mich in den letzten Wochen behandelt hat, ist heillos. Man wollte mich durchaus dazu bringen, selbst zu kündigen... Ich war ihnen höchst unbequem, da doch in den 14 Jahren nichts geleistet sein darf. Dann begann eine unanständige Lügen-Polemik in der Presse.“ Er nannte Verfälschung seiner Eröffnungsrede der Bauausstellung, Zuschreibung seiner Arbeiten an andere Dienststellen, Verfe­mung seiner Bauten als „Kultur-Bolschewismus"

 
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