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Schriftenreihe: Leseprobe 10   

 
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Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer

 
Titelseite

Godber Nissen. Ein Meister der Nachkriegsmoderne. Mit Beiträgen von Olaf Bartels, Norbert Baues, Harmut Frank, Ulrich Höhns, Ralf Lange und Bernhard Winking. Hamburg: Verlag Dölling und Galitz, 1995. 160 Seiten

Bernhard Winking

"Von Form redet man nicht, die entsteht, wenn alles stimmt."

"Halten Sie sich an Nissen, empfahl mein damaliger Chef, Prof. Gerhard Graubner,, der nach dem Krieg u.a. viele Theater baute - sein Theater in Bochum wurde im Januar 1995 von der Europäischen Union als erhaltenswertes architektonisches Erbe ausgezeichnet -, als ich ihm eröffnete, nach dreijähriger Arbeit in seinem Büro als Bauingenieur noch einmal in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste Architektur studieren zu wollen. An diesen guten Rat habe ich mich gehalten. Klang doch bei Gerhard Graubner eine Wertschätzung für den Kollegen Nissen an; obwohl zwischen den Architekturauffassungen von Graubner und Nissen Welten liegen, wie ich später feststellte. Graubner als Schüler und Assistent von Paul Bonatz und Nissen als Schüler von Heinrich Tessenow, das muß man nicht weiter ausführen...

Die Studenten, die neu zu Godber Nissen kamen, waren zwei Hochbauingenieure aus Hannover - einer davon war ich -, ein Student der Hochschule für bildende Künste Berlin, der seinen Werkarchitekten (1. Abschluss, entspricht dem Vordiplom) bereits gemacht hatte, ein Bauingenieur aus Kassel und ein türkischer Kollege aus Berlin, der einige Semester an der TU Berlin studiert hatte. Natürlich gab es von den bereits Studierenden Empfehlungen, bei welchem Professor man studieren sollte. Freier und philosophischer sei es als Schüler von Trautwein, der wiederum Schüler von Hans Poelzig war. Strenger und mehr auf Funktion und Konstruktion bedacht sei es bei Nissen. Ich hielt mich an Graubners Rat und ging zu Nissen.

Jeder Student hatte in seiner Gruppe einen Arbeitsplatz in einem der beiden Zeichensäle, die zwar mit einer Tür verbunden, aber durchaus strikt getrennt waren, da sich die Auffassungen über Bauen und Entwerfen von den Meistern auf die Schüler übertrugen und es oft zu intensiven Diskussionen zwischen den beiden Lagern kam. Das führte auch schon mal dazu, dass die Klinke der Verbindungstür abmontiert wurde, weil man nichts miteinander zu tun haben wollte.

Neben der intensiven Entwurfskorrektur gab es am Montagmorgen von Godber Nissen die Gebäudelehre als Vorlesung im 14-tägigen Wechsel mit Trautwein, der über die philosophischen Hintergründe des Entwerfens sprach. Nissen hielt viersemestrige Vorlesungen: Funktionslehre, das Wohnen, Gebäudelehre (Typologie verschiedener Gebäude) und Krankenhausbau, einer der Schwerpunkte seiner architektonischen Praxis...."

 
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Karl Heinz Hoffmann
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