Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer |
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"Der häßliche große Graben Was macht ein ordentlicher Tourist, der eine große, aber ihm fremde Stadt besichtigen will? Er wird sich wohl vorher über die Sehenswürdigkeiten der großen Stadt informieren und sie dann auf einem Stadtplan lokalisieren. Monsieur Dupont hat sogar vor seiner Fahrt nach Hamburg die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt in einem „Falk-Plan" eingekringelt, um dann die Kringel zu einer Besichtigungsroute zu verbinden. Dabei konnte er zu seiner Freude feststellen, daß die Hamburger schon eine Hauptbesichtigungsroute in Form eines Boulevards gebaut hatten, der die Innenstadt ihrer ganzen Breite nach durchquert. Er brauchte also nur noch diesen Boulevard mit dem vielversprechenden Namen Ost-West-Straße anzustreben, um auf ihm promenierend die Hamburger Innenstadt zu besichtigen. Voller Erwartung also fährt Monsieur Dupont mit seinem Peugeot 504 auf die Autobahn in Richtung Hamburg, nicht ahnend, daß sich die Hamburger selbst der Ost-West-Straße derart schämen, daß einige von ihnen sie sogar am liebsten begraben würden ... ... denn, wie am 21. Januar 1990 im HAMBURGER ABENDBLATT zu lesen war: Es klingt verrückt, aber die Hamburger CDU möchte die Ost-West-Straße unter die Erde verlegen. Ein sechs- oder achtspurig ausgebauter Tunnel, tiefer als alle Siele und Leitungen, soll einen der „größten städtebaulichen Schandflecke", so CDU-Fraktionschef Rolf Kruse, verschwinden lassen und Platz für Grünzonen, Büros, Ansiedlungen und Geschäfte schaffen. Gleichzeitig würden die Zerschneidung der Innenstadt sowie eine ungeheure Lärmbelästigung der Vergangenheit angehören. Tatsächlich war die Verlegung der Ost-West-Straße unter die Erde ein Bestandteil einer von der CDU-Opposition im Januar vorgelegten Planung mit dem Titel: „Verkehrskonzept Hamburg 2000". Aufgeweckte Abendblatt-Leser können sicherlich Kruse ohne Probleme folgen, wenn er mit einem Tunnel unter der Ost-West-Straße die Zerschneidung der Innenstadt, eine ungeheure Lärmbelästigung und sogar gleichzeitig den größten städtebaulichen Schandfleck verschwinden lassen kann. Skeptische Zweifler hingegen sehen jedoch in diesem Vorschlag eines Ost-West-Tunnels lediglich die Möglichkeit, den Verkehr auf der Ost-West-Straße mit seinem Lärm verschwinden zu lassen. Die Beseitigung der Zerschneidung der Innenstadt durch den Tunnelvorschlag wird für jene Zweifler erst nachvollziehbar, wenn Kruse ihre Ursache ebenfalls ausschließlich in dem Verkehr auf der Ost-West-Straße sieht. Unklar bleibt jedoch, wie durch einen Tunnel ein städtebaulicher Schandfleck - geschweige denn einer der größten - verschwinden kann. Bei aller Unklarheit kann man doch voraussetzen, daß Kruse mit dem hier zitierten Schandfleck weniger den Verkehr auf der Ost-West-Straße meint, als die Ost-West-Straße selbst, die allerdings durch die Anlage eines Tunnels allein nicht so leicht beseitigt werden kann. Ein Tunnel parallel unter der Ost-West-Straße könnte bestenfalls dazu fuhren, daß die Ost-West-Straße weniger Verkehr fuhren würde, was lediglich ihre Qualität als Verkehrsstraße ändern würde. Das wiederum könnte sich aber durchaus in einem Entwicklungsprozeß auf die gesamte Nutzungsstruktur an der Ost-West-Straße und sogar auf die Gestaltung ihres Straßenraumes auswirken. Kruse will jedoch die ganze Ost-West-Straße weg haben, um an ihrer Stelle Platz für Grünzonen, Büros, Ansiedlungen und Geschäfte zu schaffen. Die ganze Ost-West-Straße? Was meint Kruse eigentlich mit der Ost-West-Straße? Was ist eigentlich die Ost-West-Straße?" |
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| © Karl Heinz Hoffmann Hamburgisches Architekturarchiv |