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Schriftenreihe: Leseprobe 15   

 
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Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer

 
Titelseite

Wolfgang Voigt: Hans und Oskar Gerson: Hanseatische Moderne. Bauten in Hamburg und im kalifornischen Exil 1907-1957. Hamburg: Dölling und Galitz, 2000. 128 Seiten

"Oskar Gerson suchte mit seiner Familie zunächst Zuflucht in London, um dort auf Einwanderungspapiere für die USA zu warten. Nach einem Monat Aufenthalt bestiegen die Gersons den holländischen Liniendampfer Delftdijk, mit dem man Ende Februar 1939 den Hafen von San Francisco erreichte. Die Reise endete in der Universitätsstadt Berkeley am Ostufer der San Francisco Bay, wo der bereits 52jährige, der - wie sein Bruder - den anglisierten Vornamen nun auch offiziell verwendete, beruflich von vorn anfangen mußte. Um eine Arbeitserlaubnis in seinem Beruf zu erhalten, stellte er im November 1939 bei den zuständigen kalifornischen Stellen einen entsprechenden Antrag, in dem er die zahlreichen in Deutschland entstandenen Bauten aufzählte. Damit hatte er Erfolg; er durfte jedoch anfangs nicht allein praktizieren, weshalb er zunächst als Partner des Architekten Samuel Goodman in Berkeley auftrat. In dieser Konstellation gelang ihm der Bau einiger Wohnhäuser, bis der Ende 1941 vollzogene Kriegseintritt der USA die zivile Bautätigkeit einschränkte.

Oscar Gerson begann als Kranführer in einer Schiffswerft, in der Truppentransporter der Liberty-Klasse auf Kiel gelegt wurden. Wegen gesundheitlicher Probleme mußte er diese Arbeit 1942 aufgeben und wechselte in einen optischen Betrieb in Berkeley, wo er als Linsenschleifer für den Bedarf der US-Navy arbeitete. Noch während des Krieges konnte er 1944 in seinen Beruf zurückkehren, den er bis ins Alter von 71 Jahren ausübte. Viele seiner Bauherren waren, wie er, aus Deutschland geflüchtete Juden, darunter auch alte Freunde und Verwandte aus Hamburg. Für den Lebensunterhalt reichten seine Einkünfte mitunter nicht aus, so daß er immer wieder gezwungen war, Teile der aus Deutschland geretteten Kunstsammlung zu mäßigen Preisen zu verkaufen. Das San Francisco Museum of Modern Art besitzt heute den einst von Oscar Gerson in die USA mitgebrachten Steinigen Weg des Expressionisten Franz Marc.42 Für die damals mit Originalen der klassischen europäischen Moderne nicht gerade reich gesegnete Museumsszene der Westküste war das Gemälde zu dieser Zeit eine nicht zu unterschätzende Bereicherung."

 
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Karl Heinz Hoffmann
Hamburgisches Architekturarchiv