Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer |
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"Die Geschichte des Altonaer Krankenhauses dokumentiert gleichermaßen Aufstieg und Fall Kallmorgens in den sechziger Jahren. Einerseits löst der Wettbewerbserfolg Hebebrands Verdikt auf, doch wird ihm die endgültige Fertigstellung des Gebäudes erneut den Misskredit der Hamburger einbringen, da sich die Herstellungskosten gegenüber ersten Schätzungen vervielfacht haben werden. „So nach und nach hat sich Hebebrand aber doch an mich gewöhnt und als ich mit mehr Glück als Verstand den 1. Preis für das Altonaer Krankenhaus bekam, war er doch sehr vergnügt, dass er den Opernschatten durch diese neue Sonne ausgelöscht sah." Kallmorgen gelingt mit diesem Erfolg der Sprung in die Reihe der Protagonisten der Nachkriegsmoderne. Damit erreicht ihn erneut die Ehre, die ihm mit der Veröffentlichung des Tiergartenrings zu Beginn seiner Karriere für nur kurze Zeit zuteil wurde. Gleichzeitig stellt der Wettbewerb einen Scheidepunkt in der Architektur Kallmorgens dar. Durch die Versöhnung mit Hebebrand und den bereits dargelegten Kontakt über seinen Sohn beginnt jene eingangs beschriebene gewaltige Auftragswelle für Siedlungsbeiträge in Montagebauweise auf ihn zuzurollen. Auch bei den Aufträgen für Darboven und Otto beginnt Kallmorgen Abstand zu nehmen von einer dem Handwerk verpflichteten Architektur zugunsten einer auf Massenfertigung und Rationalisierung basierenden Architekturästhetik. Zwar variieren die Ausführungen der einzelnen Bauaufgaben, doch sind diese durch ihr jeweiliges Volumen durch traditionelle Bauweise nicht mehr zu lösen. Auch die vorhandene Bürostruktur lässt eine Bearbeitung dieser Aufgaben nicht zu. Für diese neue Dimension der Aufgaben sucht Kallmorgen nach Vorbildern und richtet seinen Blick nach Amerika. Gegenüber einem dort lebenden Freund äußert er 1968 in einem Brief: „Jedenfalls sind ja Welten zwischen meinem alten Handwerker-Schlampladen und Eurer sagenhaft rationalisierten Methode. Eine Zwischenstufe bildet mein Krankenhausbüro. Dieses Krankenhaus ist ja inzwischen ein großer Kasten geworden, jedenfalls der größte Bau Hamburgs. Ich schicke Ihnen ein Foto mit von der Baustelle im heutigen Zustand. Das Ding ist so groß, dass sich zum ersten mal ganz von selbst der Versuch einer ,Amerikanisierung', d.h. Rationalisierung des Bürovorgangs anbahnt. Allerdings noch auf die deutsche Tour, dass ein halbes Jahr über die Fußleisten nachgedacht wird und ein halbes Jahr über die Möglichkeit der Krankenzimmertür, bis dann 20 Blätter über die Tür mit ihren verschiedenen Möglichkeiten für die Ausschreibung herauskommen. Und dann Raumblätter 1:20 für jeden Raum (ungefähr 1400 Stück). Karres ist ja ein hoffnungsloser Methodiker, womit er in diesem Fall bei den 130 Millionen, die das Ding ohne Honorare kostet, ja auch wirklich recht hat, denn unsere Haftung ist natürlich gewaltig." |
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| © Karl Heinz Hoffmann Hamburgisches Architekturarchiv |