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Schriftenreihe: Leseprobe 24    

 
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Hamburgisches Architekturarchiv der Hamburgischen Architektenkammer

 
Cover Kähler
Gerd Kähler: Speicherstadt bis Elbphilharmonie. Hundert Jahre Stadtgeschichte Hamburg. München und Hamburg: Dölling und Galitz, 2009. ISBN 3-937904-87-5, ISBN 978-3-937904-87-0

 

[Über den Rathausmarkt]

Das gleichzeitige Gegenstück zu den privaten Passagen bildete die Planung für den Rathausmarkt. Der war ein vorn Verkehr zerfressenes, kaum noch als Platz nutzbares Areal, das zwar für Massenaufläufe gut nutzbar war: Die Gewerk- schaften feierten hier den i. Mai, solange man damit noch Arbeiter auf die Straße bringen konnte; Charles de Gaulle konnte vom Rathausbalkon Frank- reich und Hamburg preisen; der HSV feierte zum, bedauerlicherweise vorläufig letzten Mal, Deutsche Meisterschaften und 1984 den Triumph im Europapokal der Landesmeister. Aber jenseits dieser besonderen Anlässe war der Platz nicht das, was man sich für eine öffentliche »gute Stube« der Stadt gewünscht hätte; er war das, was man eigentlich dem Wetter vorbehalten wollte - schmuddelig. 1977 fand ein offener Wettbewerb für eine Neugestaltung statt, der dem Jour- nalisten der »ZEIT«, Manfred Sack, »Hoffnung für einen Platz« vermittelte: »Zur Zeit ist der durch Bauwerke halb geschlossene, halb offene, dem Verkehr überlassene Rathausmarkt abseits vom Einkaufsbetrieb der City weder Markt noch Treffpunkt, sondern ungemütlich, laut und langweilig. [...] Sie [die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit; GK] senkt den größten Teil des Platzes um ein paar Stufen ab, markiert und versteckt den Verkehr unter Baumreihen, lässt Platz für die Rathausvorfahrt, betont und überspielt gleichzeitig die Mün- dungen der zwei wichtigsten Geschäftsstraßen. Zweifel wecken eine reichlich einfältige Arkadenreihe (für Cafe, Kioske, Bushaltestellen) und die modische, an dieser Stelle falsche Terrassierung der Kaimauer an der Kleinen Alster.« Und Sack resümiert: »Unter Herrenschneidern würde man den Sieger-Entwurf so kennzeichnen können: Grauer Flanell; sorgfältiger, der Tradition verpflichteter Schnitt, modisch leicht erweitertes Beinkleid; es wird erwartet, dass der Pfiff durch Beifügungen erzeugt wird, durch bunte Krawatten zum Beispiel.«

 
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© Karl Heinz Hoffmann
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